
Von dem Wasserspeier, der am Kapellenpfeiler der Stürzelkapelle (um 1505) zu finden war, ist heute nur noch der untere Teil vorhanden. Wohl im 18. Jahrhundert musste er einem Wasserspeier weichen, der bereits ganz anders aussah, am Fuß aber noch Teile des Originals beibehielt. Bei der Kopie von 1998 verzichtete man dann ganz auf den Verweis. Das noch vorhandene Fragment gebärdet sich tatsächlich grausig: Riesige Krallen umklammern ein echsenartiges Wesen, dem scheinbar ein ächzender Schrei entfährt. Seine Gliedmaßen sind unter den Klauen schmerzhaft verbogen. Dass von diesem nur noch der untere Teil übrig ist, stört Maya Thyssen überhaupt nicht: „Man weiß nicht, wie er aussah – das finde ich total spannend.“

Maya Thyssen musste im Juli innerhalb von 52 Stunden die Kralle auf dem Steinprofil hauen. Besonders war hierbei, dass eine Punktiermaschine zum Einsatz kam: Vom bereits angefertigten Gipsmodell lassen sich so Punkte auf den zu behauenen Stein übertragen.
In Canterbury in der Nähe der dortigen Kathedrale aufgewachsen interessierte sie sich schon früh für Architektur, Geschichte und den „Erhalt von Altem“. Dass der Beruf der Steinbildhauerin auch noch handwerkliches Arbeiten abdeckt, ist für sie die perfekte Kombination. Nach Freiburg kam sie dann über eine Empfehlung: „Ich kannte nur die deutschen Städte und dachte zunächst: ‚Was hat Freiburg mit Münster zu tun?‘“ erinnert sich Thyssen lachend. „Glücklicherweise hat es mit der Ausbildung hier geklappt. Ich habe mich von Anfang an sehr wohlgefühlt.“




